Bild: Lukas Schramm

Begegnung statt Barrieren: Inklusion im Alltag stärken


Der 5. Mai erinnert: Inklusion ist ein Menschenrecht. Christina Marx von der Aktion Mensch erzählt im Interview, warum sie vor allem durch Begegnungen im Alltag gelingt. 

Zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai hat die nebenan.de Stiftung mit Christina Marx von der Aktion Mensch gesprochen. Ihr Blick auf den Alltag zeigt: Inklusion entsteht dort, wo Menschen sich begegnen. Genau darin liegt auch die Kraft des Tags der Nachbarschaft am 29. Mai.

Warum ist der Aktionstag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung auch heute noch so wichtig?

Christina Marx:
Der 5. Mai erinnert uns jedes Jahr daran, dass Inklusion kein „Nice to have“ ist, sondern ein Menschenrecht. Deutschland hat sich mit der UN-Behindertenrechtskonvention klar dazu verpflichtet. Trotzdem klafft häufig noch eine Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Denn auch heute erleben viele Menschen mit Behinderung in ihrem Alltag weiterhin Ausgrenzung und fehlende Teilhabe. Barrierefreiheit ist noch längst nicht selbstverständlich – weder im öffentlichen Raum, noch digital oder im gesellschaftlichen Bewusstsein. Der Protesttag macht diese Missstände sichtbar und fordert Politik und Gesellschaft dazu auf, gleichberechtigte Teilhabe konsequent umzusetzen.

Warum beginnt Inklusion aus deiner Sicht ganz oft im Kleinen – zum Beispiel in der Nachbarschaft?

Christina Marx:
Weil Inklusion vor allem dort gelingt, wo Menschen sich im Alltag begegnen. In der Nachbarschaft entscheidet sich ganz konkret, ob Teilhabe möglich ist: Kann ich am Hoffest teilnehmen? Komme ich in das Café um die Ecke? Werde ich angesprochen und mitgedacht? Nachbarschaften sind soziale Räume, in denen Vertrauen wächst, Berührungsängste abgebaut werden und Vielfalt ganz selbstverständlich erfahrbar ist. Kleine Gesten, gemeinsame Aktivitäten oder offene Einladungen können hier viel mehr bewirken als große Debatten.

Was sind typische Hemmungen – und wie lassen sie sich überwinden?

Christina Marx:
Bei Begegnungen von Menschen mit und ohne Behinderung spielt Unsicherheit häufig eine Rolle: Darf ich Hilfe anbieten? Welche Worte sind passend? Spreche ich das Thema Behinderung an – oder lieber nicht? Diese Unsicherheit führt oft zu Distanz, obwohl beide Seiten sich eigentlich Begegnung wünschen. Unsere Erfahrung zeigt: Der beste Weg, diese Hemmungen abzubauen, ist Offenheit. Fragen stellen ist erlaubt, Zuhören sowieso. Niemand erwartet Perfektion. Wichtig ist, dem Gegenüber auf Augenhöhe zu begegnen – nicht übervorsichtig, sondern selbstverständlich.

Dies war die Kurzfassung. Das vollständige Interview findest du hier.

Tag der Nachbarschaft 2026 feiern und Vielfalt erleben

Der Tag der Nachbarschaft ist ein bundesweiter Aktionstag für nachbarschaftliches Miteinander. Seit 2018 ruft die nebenan.de Stiftung dazu auf, an einem Freitag Ende Mai vielfältige Aktionen in der Nachbarschaft zu veranstalten. Jedes Jahr kommen am Aktionstag in ganz Deutschland tausende Menschen zusammen, um ihre Nachbar:innen kennenzulernen, sich auszutauschen und Gemeinschaft zu feiern. Der Tag der Nachbarschaft bringt Menschen unabhängig von Herkunft, Alter, Religion oder persönlichen Voraussetzungen zusammen und stärkt so die Vielfalt und den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft.

In erstmaliger Kooperation mit der Aktion Mensch und mit der Unterstützung der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE), der Diakonie Deutschland und Wall setzt der Aktionstag ein starkes Zeichen für Vielfalt und mehr Miteinander in unseren Vierteln.

Der Tag der Nachbarschaft findet im Aktionszeitraum des Ehrentags (vom 16. bis zum 31. Mai 2026) statt. Der deutschlandweite Mitmachtag zum Geburtstag des Grundgesetzes am 23. Mai wurde von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ins Leben gerufen und wird gemeinsam mit der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) umgesetzt. Damit werden die Aktionen rund um den Tag der Nachbarschaft Teil einer bundesweiten demokratischen. Bewegung, die deutlich macht: Demokratie lebt von Menschen, die mitmachen.


Melde jetzt deine Nachbarschaftsaktion für den Tag der Nachbarschaft 2026 an! Alle Informationen findest du hier:

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Julia Ströhle | nebenan.de Stiftung

Julia Ströhle leitet die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der nebenan.de Stiftung und macht gesellschaftliches Engagement für vielfältige Nachbarschaften sichtbar. Besonders motiviert sie, Geschichten von Menschen zu erzählen, die mit kleinen Ideen Großes für den Zusammenhalt vor Ort bewegen.